Hintergründe


Eigenschaften elektronischer Stromzähler

Bei den bislang verwendeten elektromechanischen Stromzählern werden manuell abgelesene Verbrauchsdaten zu Abrechnungszwecken verwendet. Elektronische Stromzähler können hingegen ihre Messdaten selbst auswerten. Diese Fähigkeit wird jedoch nicht immer genutzt. Die Zähler dienen oft nur zur Automatisierung des manuellen Ablesevorgangs (Automated Meter Reading AMR), indem der Zählerstand über Funkstrecke an ein vorbeifahrendes Fahrzeug übermittelt wird. Es entsteht dadurch kein zusätzlicher Anreiz zur Stromeinsparung, da die Häufigkeit der Ablesung nicht erhöht wird.

Demgegenüber wird eine fortschrittliche Stromzählerinfrastruktur (Advanced Metering Infrastructure AMI) als Zweiwege-Kommunikationsnetz ausgelegt, um einen ständigen Datenaustausch mit den Zählern zu erlauben. Die Kosteneffektivität wird damit für Versorger und Endkunden auf drei Arten verbessert:

Die entsprechenden Nutzungsentscheidungen können auf jede beliebige Kombination dieser Rückkopplungsdaten bezogen werden. Der Kunde wird dabei zum interaktiven Bestandteil der Stromerzeugungs- und Versorgungsinfrastruktur.

Ohne solche Echtzeitdaten hingegen wird der Einfluss von Netzbelastungen und Umweltfolgen pauschaliert und unzutreffende Annahmen zum Nachteil der Ressourceneffizienz getroffen. Der Gebrauch einzelner Haushaltsgeräte kann beispielsweise aus Unwissen über die Versorgungsbedingungen gerade zu Zeiten höchster Strombezugskosten erfolgen, obwohl die Nutzung zu anderen Stunden ebenfalls möglich gewesen wäre.

In der Präambel der EU-Direktive 2006/32/EC wird eine verbesserte Endenergieeffizienz als Beitrag "zur Senkung des Primärenergieverbrauchs, zur Verringerung des Ausstoßes von CO2 und anderen Treibhausgasen und somit zur Verhütung eines gefährlichen Klimawandels" herausgestellt. Eine kundenseitige Senkung oder eine zeitliche Verschiebung der Stromnachfrage soll nun den Bedarf nach CO2-intensiven Kraftwerken senken. Durch die Rückkopplung von Preissignalen und Umweltkosten kann zugleich die Nutzung emissionsfreier Wind- und Sonnenenergie gesteigert und dabei der Einfluss ihrer diskontinuierlichen Verfügbarkeit verringert werden.

Ein funktionsfähiges System zur automatischen Stromeinsparung ließe sich theoretisch mit einem Internetverbund aus Heim- und Bürocomputern realisieren. Der Eigenverbrauch der verwendeten Rechner würde allerdings die erzielten Einsparergebnisse zum Teil wieder aufheben. Die gesammelten Daten müssten auch wegen mangelnder Verarbeitungstransparenz stets gegenkontrolliert werden. Selbst dann bliebe die Einsparwirkung auf die beteiligten Computerbesitzer beschränkt, während alle übrigen Verbraucher keine vergleichbare Möglichkeit zur Senkung ihrer Stromkosten hätten.

Alternativ dazu können aber die vorhandenen Stromzähler elektronisch aufgewertet und vernetzt werden, um ein automatisiertes Datenerfassungssystem zu verwirklichen. Die Verwendung kommunikationsfähiger intelligenter Stromzähler (smart power meters) mit internem Mikroprozessor übertrifft hierbei die Effizienz jedes willkürlich zusammengesetzten Computernetzwerks aus folgenden Gründen

Wird jeder Stromzähler mit einer universellen Kommunikationsschnittstelle (Universal Communications Interface UCI) ausgestattet, stehen die Messdaten dem Energieversorger und zugleich den Endkunden nicht nur einzeln, sondern auch nach freiwilliger Vereinbarung untereinander über das Internet zur Verfügung. Die laufenden Strommessungen können dann ggf. ohne Einblick des Versorgers innerhalb einer selbstorganisierten Zählergemeinschaft ausgewertet werden, um Nutzungsgewohnheiten zu beurteilen und jeden überhöhten Verbrauch im Vergleich zum Teilnehmerdurchschnitt zu signalisieren.

Die Verbrauchsentscheidungen, die von einem intelligenten Stromzähler unterstützt werden, können eine Brennstoffverringerung und eine entsprechende Emissionssenkung am Kraftwerk bewirken. Ein Anbieterwechsel von Strom mit niedrigem zu hohem CO2-Anteil wird dabei weniger wahrscheinlich, wenn zuvor ein strenges Emissionsbudget festgelegt worden ist. Ein intelligenter Zähler kann außerdem Heizenergie und Wasserverbrauch messen, um den gesamten Ressourcenverbrauch eines Haushalts zu erfassen.

Die dadurch erzielte Aufwandstransparenz lässt bestimmte CO2-Einsparmöglichkeiten aufdecken, die sonst unerkannt geblieben wären. So sind beispielsweise zwischen einzelnen Wohnhäusern Unterschiede beim Raumwärmeverbrauch um den Faktor drei festgestellt worden. Diese Streuungen sind auf spezifische Verbrauchsgewohnheiten und auf unzureichende Bausanierungen zurückzuführen

Der jährliche Wärmeenergieverbrauch von neugebauten und sanierten Wohngebäuden liegt oft bei etwa 100 kWh pro Quadratmeter. Da ein Liter Heizöl ungefähr 10 kWh thermischer Energie liefert, fällt hier ein Jahresverbrauch von 10 Liter an. Gut wärmegedämmte Häuser erreichen Werte von 80 bis 30 kWh pro Quadratmeter, was im letzten Fall in Bezug auf den jährlichen Heizölverbrauch als "Dreiliter-Haus" bezeichnet wird.

Eigentumsrecht am Stromzähler

Es war bislang üblich, dass jeder Stromzähler vom Netzbetreiber eingebaut und unterhalten wurde. Gemäß §21 b des bundesdeutschen Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung vom 7. Juli 2005 dürfen aber nunmehr "auf Wunsch des betroffenen Anschlussnehmers" Einbau, Betrieb und Wartung sowie das Ablesen durch qualifizierte Dritte erfolgen. Die Anbieter von Energiedienstleistungen können deshalb eigene Stromzählernetze organisieren, um durch koordinierte Einsparstrategien die finanziellen Belastungen ihrer Kunden zu senken. Es bleibt jedoch auch Privatpersonen und -firmen frei, mit weiteren Stromzählerbesitzern eigene Zählernetze im virtuellen Raum aufzubauen, um beispielsweise: